Was bleibt von der SAK 2008?
4 Tage, 6 Vorträge, 10 Workshops und viele Gespräche, Diskussionen rund um Klimawandel und soziale Gerechtigkeit. Die Sommerakademie ist vorbei, geblieben sind viele Anregungen und weitere Fragen, die es wert sind weiter darüber zu diskutieren.
„Wir müssen das Thema Arbeitszeitverkürzung bei uns Grünen wieder zu diskutieren beginnen. Seit über zehn Jahren steht die Debatte still“, stellt Daniela Graf, die Obfrau der Grünen Bildungswerkstatt Österreich fest. Hohe Priorität hat für Graf die Diskussion eines neuen Bildungsbegriffes. Der Erwerb sozialer Kompetenz muss in Zukunft eine größere Rolle spielen. „Bildung ist eine wichtige Quelle für ein gutes Leben“. Klar wurde auch vielen, dass eine ressourcenschonende Gesellschaft ohne staatliche Eingriffe nicht erreicht werden kann.
Mehr Zeit – weniger arbeiten
Welche Maßnahmen notwendig sind, um die gesellschaftliche Effizienz zu steigern, erläuterte die Grüne Umweltsprecherin Ruperta Lichtenecker: „Wir brauchen mehr Zeitsouveränität, die unter anderem durch eine Arbeitszeitverkürzung und mehr qualifizierte Teilzeit erreicht werden kann. Auch Lichtenecker sieht den Schlüssel zu einer ressourcenschonenden Lebensweise in der Bildung. „Bewusstseinsbildung dafür muss vor allem schon in der Schule beginnen“.
Einig waren sich die TeilnehmerInnen: klimaschonendes Wirtschaften und Leben kann nur positiv zu vermittelt werden. Hiefür sollten Begriffe wie Lebensqualität sichern, mehr eigener Zeitreichtum, Entschleunigung, besser und einfach Leben, Genuss statt Konsum... eingesetzt werden. Als Ideen, wo in den Schulen dieses Thema gelehrt werden könnte, wurde der Ethikunterricht oder ein eigener Schulgegenstand „Glücksunterrricht“ vorgeschlagen.
Klimaschutz braucht Lebensqualität und soziale Gerechtigkeit
Stefan Hindinger, der Obmann der Grünen Bildungswerkstatt Oberösterreich fasste die Anregungen und Erkenntnisse der Arbeitsgruppen zusammen, die sich mit dem Thema Verteilung auseinandergesetzt haben: „Vielen von uns wurde dabei klar, dass Vermögen in Österreich ungleicher verteilt sind als die Einkommen, dass Geldvermögen keinen Mittelstand kennt und Verteilungsgerechtigkeit eine funktionierende Demokratie braucht“.
Seine Anregungen für die Politik: „Klimaschutz muss immer auch mit Lebensqualität in Verbindung gesetzt werden. Das zusätzliche Geld aus der Erhöhung vermögensbasierenden Steuern muss vor allem für den Ausbau der sozialen Dienstleistungen herangezogen werden, die in erster Linie den Kindern und Familien zugute kommen müssen. Hindinger schlägt auch vor, mehr als bisher, gesicherte Studien über die Vermögenssituation in Auftrag zu geben. „Neben dem jährlichen Armutsbericht, sollte es auch einen Reichtumsbericht geben“.
Demokratieoffensive nützt dem Klimaschutz
Auch Rudi Anschober, oberösterreichischer Umweltlandesrat, fordert mehr Demokratie um die Klimastrategien umsetzen zu können. „Dabei müssen wir die Chancen und Risiken direktdemokratischer Instrumente abwägen und auch darüber nachdenken, welche Impulse außerparlamentarische Bewegungen in der Klimapolitik auslösen können.
Eine Demokratieoffensive möchte er vor allem in drei Bereichen vorantreiben:
- mehr partizipative Demokratie, wie in der Stärkung und Weiterentwicklung des Agenda-Prozesses,
- mehr direkte Demokratie; so könnten Volksabstimmungen einen intensiven Diskurs im Vorfeld auslösen
- die repräsentative Demokratie weiterentwickeln
Anschober sieht in der Vermittlung der Auswirkungen der Klimaänderung eine große Informations- und Bildungsaufgabe, die vor allem von staatlicher Seite betrieben werden muss.
Wie geht es mit den SAK-Ergebnissen weiter?
Noch im Herbst werden die zuständigen Gremien der Grünen Bildungswerkstatt die Ergebnisse sichten und darüber ein Thesenpapier ausarbeiten. Dieses wird dann der Grünen Partei zur weiteren Diskussion weitergegeben. Im Winter wird dann im planetVERLAG eine Publikation erscheinen, mit Texten aller ReferentInnen, die ihre Vorträge noch einmal mit den Diskussionsverläufen in den Workshops in Verbindung bringen.
Zusammengefasst: Die diesjährige Sommerakademie war ein erster Höhepunkt der Debatte bei den Grünen rund um Klimawandel und soziale Gerechtigkeit. Viele Fragen sind trotzdem noch offengeblieben, werden aber in den nächsten Monaten noch weiter intensiv diskutiert werden.