„Beim Geldvermögen gibt es keinen Mittelstand“
Markus Marterbauer legte eine umfassende Bestandsaufnahme vor, wie ungleich die Vermögen und Einkommen in Österreich verteilt sind.
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Als einen „Hardcore-Ökonomen“ bezeichnete er sich selber, entsprechend prallgefüllt mit Zahlen und Kurven war dann auch seine Präsentation. Grundsolide führte er das Publikum durch die wissenschaftlich dokumentierte Ungleichverteilung der österreichischen Einkommen und Vermögen. Mühsam war es für ihn überhaupt Licht ins Dunkel der Vermögensstatistiken zu bringen, gibt es doch in Österreich kaum verlässliches Datenmaterial. Die Regierungen der letzten Jahre hatten einfach kein Interesse, die Ungleichheit öffentlich zu machen.
Auch eine schlechtere Datenlage kann dieses Ungleichgewicht nicht verschleiern: So besitzt in Österreich das oberste Einkommens-Prozent 34 Prozent aller Geld, Immobilien und Unternehmensvermögen, die 10 obersten Prozente gar 69 Prozent. „Beim Geldvermögen gibt es keinen Mittelstand“, resümiert Marterbauer. Bei den Einkommen ist die Verteilung aber gleicher. Doch auch hier gibt es bedenkliche Entwicklungen: „Seit ungefähr 20 Jahren nimmt die Lohnquote stetig ab. Stammten 1980 noch 80 Prozent des Volkseinkommens aus unselbständiger Arbeit, so sind es heute nur mehr 65 Prozent. Hingegen nehmen die Einkommen aus Finanzvermögen, aus Immobilienvermögen und aus Gewinnen der Kapitalgesellschaften kräftig zu.“
Vielfach wurde während der Sommerakademie immer wieder die Frage gestellt, ob wir überhaupt Wirtschaftswachstum brauchen. „Ja“, meint dazu Marterbauer. Ein hohes Wirtschaftswachstum hat für ihn auch verteilungspolitisch positive Auswirkungen. „Es führt zu höherer Beschäftigung und rückläufiger Arbeitslosigkeit und bewirkt mehr Staatseinnahmen. Diese ermöglichen wiederum die sozialen Dienstleistungen und Transfers zu finanzieren, von denen wiederum die unteren Einkommensgruppen besonders profitieren.“
Sowie seine Vorrednerin Ines Omann sieht Marterbauer in der Arbeitszeitverkürzung ein Mittel zu mehr Lebensqualität: „Attraktive Teilzeitarbeit erleichtert vor allem Frauen einen Wiedereinstieg ins Berufsleben, eine ausgebaute Bildungskarenz ermöglicht mehr Weiterbildung und mehr Urlaub erlaubt den Wohlstand besser zu nutzen und bringt mehr Freizeit.“